Starke Eltern - Starke Kinder: (m)eine Haltung

Starke Eltern - Starke Kinder® ist ein standardisierter Elternkurs, in welchem der anleitende Erziehungsstil vermittelt wird. Es geht um Werte, Bedürfnisse und Kommunikation. Es geht auch um das Setzen von Grenzen, Regeln sowie Freiräumen und um das gemeinsame Lösen von Konflikten. Für mich ist Starke Eltern - Starke Kinder nicht nur ein Kurs, sondern vielmehr eine Haltung. Bin ich mir meiner Werte bewusst, kann ich diese ganz anders vorleben und vertreten. Aber der Reihe nach: 

Der anleitende (autoritative) Erziehungsstil

Der anleitende Erziehungsstil kann auch als autoritativer Erziehungsstil bezeichnet werden. Gemeint ist ein Erziehungsstil, eine Haltung, in der die Eltern ihre Rolle als Erwachsene und ihre Verantwortung als Erziehende wahrnehmen. Eltern haben beispielsweise einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung und verfügen über die ökonomischen Ressourcen der Familie. Dies lässt sich nicht wegdiskutieren. 

Die anleitende Erziehung zeichnet sich durch eine liebevolle, aufmerksame Haltung gegenüber dem Kind aus. Es geht darum, sich in das Kind einzufühlen und seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Denn jedem Verhalten liegt ein Bedürfnis zu Grunde. 

Zuerst die eigenen Werte klären, dann Probleme und Konflikte lösen

Der Elternkurs Starke Eltern-Starke Kinder® ist fünfstufig aufgebaut. In dieser Reihenfolge werden folgende Themen bearbeitet:

  • Klärung der Wert- und Erziehungsvorstellungen in der Familie
  • Festigung der Identität als Erziehende
  • Stärkung des Selbstvertrauens des Kindes zur Unterstützung seiner Entwicklung
  • Bestimmung von klaren Kommunikationsregeln in der Familie
  • Befähigung zur Problemerkennung und -lösung.  

Genau diese Reihenfolge ist aus meiner Sicht die Stärke des Kurses. Es geht nicht direkt um das Lösen von Problemen und Konflikten in der Familie - wie man als Kursteilnehmende vielleicht erwarten würde. Zuerst geht es darum, sich seiner Werte klar zu werden, seiner Bedürfnisse, der Bedürfnisse aller Familienmitglieder. Das eigene Erziehungsverhalten zu reflektieren und gestärkt in den Erziehungsalltag zurückzukehren. 

Der Kurs bietet keine Rezepte. Er ermuntert zur Reflexion des eigenen Handelns und zeigt Werkzeuge auf, mit deren Hilfe die Eltern in verfahrenen Situationen anders reagieren können. Ziel ist eine respektvolle, gewaltfreie Erziehung. 

Übrigens: Nicht dass ihr jetzt denkt, ich hätte jederzeit alles im Griff und sei tiefenentspannt. Ich bin mir meiner Werte mehr bewusst und versuche vermehrt ein Vorbild zu sein, statt mit Worten zu erziehen. Sagen wir: ich bin auf dem Weg.   

Damit die anleitende Erziehung gelingt finde ich es persönlich übrigens sehr wichtig, dass es auch uns Eltern gut geht. Paula Honkanen formuliert es in ihrem Buch "Starke Kinder brauchen starke Eltern" so: "Wenn wir als Mütter und Väter auf der einen Seite so viel Kraft und Energie in die Kindererziehung, in das Familien- und Arbeitsleben hineingeben, dürfen, ja müssen wir auf der anderen Seite dafür sorgen, dass von irgendwo Kräfte zu uns zurückfliessen." Es ist also auch sehr wichtig, für unseren Energielevel zu sorgen und die Kräftebatterien immer wieder aufzutanken. 

Der Elternkurs als präventives Angebot von Kinderschutz Schweiz

Der Elternkurs stammt ursprünglich aus Finnland. Er wurde von Paula Honkanen-Schoberth nach Deutschland gebracht und dort von ihr beim Deutschen Kinderschutzbund weiterentwickelt. Die Inhalte basieren u. a. auf kommunikationstheoretischen und familientherapeutischen Konzepten, sind aber nicht auf eine bestimmte theoretische Schule festgelegt.

In der Schweiz führt die Stiftung Kinderschutz Schweiz die Programmstelle im Rahmen seines präventiven Angebots. Seit August 2018 leite ich diese Programmstelle. Zur Zeit besuche ich im Rahmen meiner Einarbeitung selbst die Schulung als Elternkursleiterin. Ich lerne also gleichzeitig die Inhalte und Haltung des Kurses kennen, kann sie bei meiner eigenen Familie erproben und - falls es sich ergibt - weiteren Eltern vermitteln. In der Programmstelle kümmern wir uns um Öffentlichkeitsarbeit und die stete Weiterentwicklung des Kurses. Rückmeldungen und Inputs nehmen wir sehr gerne entgegen. Weitere Informationen zum Kurs befinden sich auf der Webseite. Wer mag kann das Buch von Paula Honkanen lesen und sich so ein Bild über die Inhalte machen. Oder selbst einen der Kurse besuchen. Sie werden auch im Oberwallis angeboten.

Zum Vertiefen, Weiterlesen. Bücher, die mir entsprechen:

  • Heidemarie Brosche: Mein Kind ist genau richtig, wie es ist. Das Ermutigungsbuch für Eltern. Kösel, 2. Auflage, 2017
  • Frank Gaschler, Gundi Gaschler: Ich will verstehen was du wirklich brauchst. Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern. Kösel, 8. Auflage, 2015
  • Paula Honkanen-Schoberth: Starke Kinder brauchen starke Eltern. Der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes. Urania im Kreuz Verlag, 2012
  • Jesper Juul: 4 Werte, die Kinder ein Leben lang tragen. Die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung. Gräfe und Unzer, 4. Auflage, 2017
  • Klaus A. Schneewind, Beate Böhmert: Kinder im Vorschulalter kompetent erziehen – Der interaktive Elterncoach «Freiheit in Grenzen». Verlag Hans Huber, 2009
  • Margot Sunderland: Die neue Elternschule. Kinder richtig verstehen und liebevoll erziehen. Dorling Kindersley, 2017 
    (Über die Auswirkungen der Erziehung auf die Hirnentwicklung des Kindes)